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Der zweite Vorsitzende Stefan Winter über Geschichte, Mission und Veranstaltungen des Bayerischen Kuratoriums für alpine Sicherheit.
Stefan Winter ist zweiter Vorsitzender des Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit und arbeitet beim DAV als Ressortleiter Sportentwicklung – Bergführer ist es übrigens auch. ©Marco Kost

Stefan Winter ist zweiter Vorsitzender des Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit und arbeitet beim DAV als Ressortleiter Sportentwicklung – Bergführer ist es übrigens auch. ©Marco Kost

Im Herbst 2018 fanden die ersten Sicherheitsgespräche des Bayerischen Kuratoriums für alpine Sicherheit statt. Was war die Idee hinter dieser Veranstaltung?

Die Idee war es, ein Veranstaltungsformat für Expertinnen und Experten im Bergsport zu kreieren, das jenseits von Publikumsmessen, Unterhaltung oder Pressekonferenz angesiedelt ist. Es sollte ein Stelldichein derjenigen Leute werden, die sich beruflich oder ehrenamtlich sehr intensiv mit Fragen der (Un-)Sicherheit und Prävention beim Bergsport befassen. Ziel war es auch, ein überschaubares Angebot zu schaffen, das die Zielgruppe noch gut in die Arbeitswoche integrieren kann. Dass es aktuelle und spannende Themen brauchte, versteht sich von selbst.

War das eine einmalige Sache oder wird es solche Expertentreffen regelmäßig geben?

Wir, d.h. der Vorstand des Baykurasi, wollen die Sicherheitsgespräche alle zwei Jahre anbieten, im Wechsel mit alpinen Rechtsgesprächen. Letzteres spricht wieder eine ganz eigene Zielgruppe der Juristen an, die für uns Bergsportlerinnen und -sportler im Fall der Fälle erheblich relevant ist.

Das Bayerische Kuratorium für alpine Sicherheit wurde bereits 2012 gegründet, es ist aber bald ruhig um die Institution geworden. Was ist seitdem passiert?

Das Baykurasi hat eine lange Findungsphase hinter sich. Das lag daran, dass die Interessen verschieden, die Wünsche zu hoch gegriffen und die Mittel zu gering waren. Das Baykurasi hatte keine wirklich eigene Geschäftsstelle als Motor der Vorhaben. Erst eine Satzungsänderung brachte den Durchbruch. Diese sieht vor, dass ein eigens gewählter Mitgliedsverband für drei Jahre die Geschäfte führt; diese quasi in den eigenen Verbandsbetrieb synergetisch integriert und Aufgaben erledigt. Die erste Wahlperiode liegt beim DAV mit mir als Zweitem Vorsitzenden, der sich für das gemeinsame Anliegen aller engagiert. Arbeitsergebnisse hat dieser lange Findungsprozess leider erst spät hervorgebracht.

Das traditionsreiche Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit gibt es seit den 1960er-Jahren. Seid ihr das deutsche bzw. bayerische Pendant dazu?

Im Grunde genommen ja! Mit dem Unterschied, dass wir kein hauptberufliches eigenes Kuratoriumspersonal haben. Zudem sind im bayerischen Kuratorium alle namhaften deutschen Alpinverbände vertreten, sodass wir eigentlich Deutsches Kuratorium für … heißen müssten. Das fände aber vermutlich in Berlin wenig Anklang, da können wir viel besser auf die Unterstützung der bayerischen Politik bauen.

Wie ist das bayerische Kuratorium organisiert?

Höchstes Organ ist die Mitgliederversammlung mit einem Dutzend Verbänden wie DAV, DSV, DSLV, VDBS, Naturfreunde, ERCA, VDB, VdHK, Bundeswehr, Polizei, TUM, Gutachterkreis und verdienten Einzelpersonen. Daneben fungiert ein Beirat mit der Bergwacht Bayern und Bayerischen Ministerien (Innen, Sport und Integration; Unterricht und Kultus; Justiz; Wirtschaft, Energie und Technologie). Die Geschäfte steuert der Vorstand und beauftragt die kommissarische für drei Jahre gewählte Geschäftsstelle (2018-2021 beim DAV). Es handelt sich also um eine klassische Organisationsform eines Verbandes.

Michaela Kaniber – die bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – ist erste Vorsitzende des Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit. ©Marco Kost

Michaela Kaniber – die bayerische Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – ist erste Vorsitzende des Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit. ©Marco Kost

Und wer kann bei euch Mitglied werden?

Ordentliche Mitglieder können natürliche und juristische Personen sein. Voraussetzung für die Mitgliedschaft sind anerkannter alpinfachlicher Ruf oder die Möglichkeit einer fördernden Einflussnahme auf die Erreichung der Ziele des Kuratoriums.

Was ist das Ziel des Kuratoriums?

Zweck des Vereins ist die Förderung der Unfallverhütung. Dies soll durch Unfallforschung und Unfallauswertung auf wissenschaftlichen Grundlagen von Bergsport- und Skisportunfällen sowie Unfällen mit seil- und sicherungstechnischem Hintergrund gewährleistet werden. Meinungsaustausch alpiner Fachfragen und Entwicklung von Standards im Sinne der Unfallprävention sollen das Ziel sein, ebenso wie die Datenerfassung für die Erarbeitung statistischer Grundlagen zu alpinen Unfällen, theoretische und angewandte Unfallforschung nach dem Stand der Wissenschaft, Publikationen zur Unfallprävention und Unfallkunde, Behandlung von Rechtsfragen und Betreuung und Weiterbildung von Alpinsachverständigen und Organen der Rechtsprechung. 

Ist das Kuratorium keine Konkurrenz zu den Interessen der einzelnen Mitgliederverbände – denn mit der „alpinen Sicherheit“ ist doch jeder schnell und gerne in den Medien?

Das kann passieren, soll aber vermieden werden. Es sollen also Aufgaben bearbeitet werden, die im Interesse aller stehen und die keinem anderen die „Butter vom Brot nehmen“. Da muss man sicherlich eigene Eitelkeiten hintanstellen. Zudem stellt das Kuratorium die bayernweite respektive deutschlandweite, unabhängige Arbeitsplattform und das Netzwerk für die Verbesserung der alpinen Sicherheit, im speziellen der Bergsportausübung, dar.

Ich sehe Parallelen zum CAA (Club Arc Alpin). Dort treffen sich jedoch nur Alpenvereine; als Teilnehmer bin ich jedes Mal sehr angereichert mit den Erkenntnissen von den Nachbarländern nach Hause zurückgekehrt. Auf der Bayern- bzw. Deutschlandebene sehe ich das genauso. Im Übrigen soll der Austausch vor allem mit den deutschsprachigen Nachbarn ausdrücklich gepflegt werden. 

Wertet ihr auch – wie das Österreichische Kuratorium – das alpine Unfallgeschehen aus?

Hier steht das Kuratorium am Anfang. Es gibt die Daten der Bergwacht, der Polizei, des DSV und des DAV und einiger weiterer. Diese zusammenzuführen ist eine riesige Herausforderung, nicht nur aus Datenschutzgründen, sondern auch in technischer Hinsicht. Ein Hauptproblem ist die unterschiedliche Terminologie und Erhebungsmethode. Ein erster Erfolg wäre es, wenn die Daten der Polizei und Bergwacht abgeglichen werden könnten. Dazu laufen derzeit Gespräche und erste Arbeiten. 

Wie schaut die Zusammenarbeit mit der DAV-Sicherheitsforschung aus?

Der DAV ist Mitgliedsverband des Baykurasi und bringt an den entsprechenden Stellen die Expertise seiner Sicherheitsforschung ein. Natürlich kann das intensiviert werden. Gerade bei der letzten Vorstandssitzung hatten wir die Sifo mit am Tisch sitzen.

Was wünschst du dem Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit für die Zukunft?

Uneigennützige Zusammenarbeit der Verbände, gute Förderung durch die Politik, gedeihlicher Austausch mit den Nachbarn. Vielleicht einmal in ferner Zukunft eine wirklich eigene Geschäftsstelle.

Gibt es eigentlich eine Abkürzung für den doch recht sperrigen Namen?

Ganz einfach, pragmatisch und unprätentiös „Baykurasi“.

©Marco Kost

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