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Franz Bachmann, *1930 – †2019

Ein Nachruf von Jost Gudelius

Der Klemmknoten, die Möglichkeit, am straffen Seil einen Fixpunkt anzulegen, der bei Entlastung auch noch in beide Richtungen verschiebbar ist, gehört zum Einmaleins des Alpinismus. Spätestens seit Karl Prusiks Veröffentlichung „Der Prusik-Knoten und seine Anwendung zur Selbsthilfe und zur Hilfeleistung bei alpinen Unglücksfällen“ im Jahr 1931 ist dem Alpinisten in der Selbst- und Kameradenhilfe in der behelfsmäßigen und in der planmäßigen Bergrettung ein unverzichtbares Hilfsmittel in die Hand gegeben worden. 

Der Prusikknoten ist auch heute noch, nach fast 90 Jahren, der am häufigsten verwendete Klemmknoten. Doch die Zeiten und die Materialien ändern sich, die Erkenntnisse aus einer Vielzahl von Unfällen beim Bergsteigen mehren sich und die Gedanken- und Versuchsarbeit einzelner alpiner Vordenker bahnt sich ihren Weg.

Einer dieser Analysten und Entwickler war Franz Bachmann. 

1930 in Toblach in Südtirol geboren, verschlug es ihn aufgrund des Hitler-Mussolini-Abkommens ab 1940 nach Feldkirch in Vorarlberg. Nach Kriegsende gab es mehr als ein Jahr keine Schule und kaum Arbeit. Für den noch jugendlichen Franz Bachmann Gelegenheit, den Fels des Montafon anzugreifen. Seine zahlreichen Erstbegehungen (u.a. Sulzfluh Direkte SW-Wand, VI, zusammen mit Toni Hiebeler 1949) und Alleingänge erforderten besondere Sicherungsmaßnahmen. 

Vom Prusikknoten hatte er gehört. Aber niemand in seinem Bekanntenkreis konnte ihm den Knoten zeigen, und viele erfahrene Alpinisten waren zu jener Zeit (1946) noch in den Gefangenenlagern. So tüftelte er auf dem Dachboden, suchte eine Möglichkeit, am Seil aufzusteigen, und entwickelte als erste Version einer langen Reihe wirkungsvoller Klemmknoten den Karabinerknoten, dessen mechanische Grundlagen – selbstverstärkende Wirkung durch die Belastung – auch für seine später entstehenden Klemmknoten das Leitprinzip waren. 

Nahezu 70 Jahre lang befasste sich Bachmann – inzwischen Ingenieur für Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie technischer Leiter des Bergrettungsdienstes Vorarlberg – mit Klemmknoten. Schon Anfang der 1950er-Jahre entwickelte er den Bachmannknoten, im englischen Sprachraum „Bachmnann Knot“, im italienischen „Nodo Bachmann“ und im deutschen auch als „Karabinerklemmknoten“ bekannt. Es folgten dann der FB-Ringknoten, der FB-Bandringknoten und der FB-Knoten. Alle abgeleitet vom Kreuzklemmknoten, aber mit dem entscheidenden Merkmal, dass die sich verstärkende Belastung nicht durch die sich eng zuziehende Schlinge des Kreuzklemmknotens für die Klemmwirkung schädlich reduziert wurde.

Bei den drei folgenden Knoten-Entwicklungen entpuppte sich die häufig störende Nahtstelle des zunehmend verwendeten (vernähten) Bandmaterials für Franz Bachmann als ganz wesentliches „Bauteil“. Nach der Jahrtausendwende entstanden so der FB-Bandklemmknoten, der FB-Prusik und als letzter der FB-Kreuzklemm. Alle drei Knoten sind einfach zu knüpfen, halten auch auf Stahlseilen und sind leicht zu verschieben. Dabei ist Franz Bachmann mit dem FB-Kreuzklemm der Höhepunkt einer konsequenten Entwicklung von Klemmknoten gelungen. „Hier kann man nichts mehr weglassen!“, meinte er dazu.

Der FB-Kreuzklemm hat sich kürzlich bei entsprechenden Tests der Bergwacht Bayern hinsichtlich einfacher Knüpfbarkeit, Klemmwirkung und Verschiebbarkeit dem Prusikknoten weit überlegen gezeigt.

Franz Bachmann ist am 24. Juli 2019 im Alter von 89 Jahren im Kreis seiner großen Familie friedlich eingeschlafen.

Jost Gudelius

Jachenau, 19.08.2019

Franz Bachmann über bergundsteigen einen Beitrag über den FB-Klemmknoten und dessen EntstehungsgeschichteVor 14 Jahren hat Franz Bachmann in der Herbstausgabe von bergundsteigen einen Beitrag über seinen FB-Klemmknoten und dessen Entstehungsgeschichte geschrieben, den wir euch an dieser Stelle gerne in Erinnerung rufen (einen weiteren Beitrag zum FB-Prusik findet ihr hier).