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Noch mehr Eindrücke von Freitag, 12. Oktober, ISSW 2018

Der Schlusstag beginnt mit einer Session zum Thema „Human factors: Risk and strategies“. Und es geht gleich ordentlich zur Sache.

„Human factors: Risk and strategies“

Neben anderen Vorträgen blieb auch jener von Markus Landrø vom Norwegischen Lawinenwarndienst in Erinnerung. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass viele Profis die gängigen Lawinenvermeidungsstrategien (3×3, Stop or Go, SnowCard etc.) kennen (an diesen auch mitgearbeitet haben oder diese lehren), aber nur wenige diese persönlich einsetzen. Markus bringt die Sache mit zwei Aussagen auf den Punkt: „If we don’t understand how we make decisions, we can have the best framework and it will not work.“ Unabhängig davon, welche Strategie man einsetzt, gilt: „Know your shit!“.

Education and rescue

Jon Apodaka zeigte anhand von einem Video, wie chaotisch eine Lawinenverschüttung bzw. die Rettung ablaufen kann und was man daraus lernen kann.

Manuel Genswein stellte die überarbeitete UIAA-Norm für Lawinenrettungsausrüstung vor. Sprich: Wie muss eine Schaufel gebaut sein, damit sie nicht gleich beim ersten Einsatz auseinanderbricht.

Bernd Wallner zeigte, dass nur das Erreichen einer verschütteten Person nicht ausreicht, zumindest die Atemwege müssen freigelegt werden. Dabei zeigt sich, dass der Lerneffekt bei mehreren Schaufelübungen bei Zwei-Personen-Teams besonders stark ist. Es lohnt sich also am Anfang der Saison mal mit den Kollegen die Schaufel auszupacken und zu üben. Für Ausbilder gibt es auch einen interessanten Hinweis: CPR (Cardiopulmonale Reanimation, d.h. Herz-Kreislauf-Wiederbelebung) sollte immer Teil einer Lawinennotfallschulung sein.

Stefan Martensson stellte einen interessanten Ansatz aus Schweden vor. Dort wird in Lawinengrundkursen anhand von standardisierten Tests die Risikoanfälligkeit der Teilnehmer erhoben. Die Ergebnisse werden dann in der Gruppe diskutiert, um so auf die höhere oder niedrigere Risikobereitschaft der Teilnehmer hinzuweisen.

Information technologies

Eine Nachmittags-Session legte den Schwerpunkt auf technologische Aspekte. Rune Verpe Engeset aus Norwegen stellte regobs vor – das norwegische Meldungs- und Dokumentationssystem für diverse Naturereignisse wie Lawinen, Muren, Vereisung etc. Besonders interessant ist der kombinierte Ansatz von Profi-Beobachtungen und Rückmeldungen von Laien.

Gernot Zenkl zeigte das Meldetool KommTool für die Lawinenkommissionen in der Steiermark.

Spannend war auch der Beitrag von Ilari Dammert. Er zeigte die Auswirkung von Funkgeräten auf LVS-Geräte. Und den drastischen Unterschied zwischen 30 cm Distanz (fast keine) und 15 cm Distanz (starke Beeinträchtigung).

Marc Pons aus Andorra hat einen außergewöhnlichen Datensatz aufbereitet und interpretiert: die Mobilfunkdaten von allen Personen, die sich in Andorra in den Bergen bewegen und ein Mobiltelefon auf Empfang dabeihaben. Damit können aussagekräftige Verknüpfungen mit Lawinenwarnstufen, Wetter und gewählten Geländekammern getätigt werden.

Terrain-based decision making

Die letzte Session drang nochmals zum Kern der Sache vor: Wie entscheide ich direkt im Gelände und was beeinflusst diese Entscheidung.

Stephan Harvey vom SLF stellte die neue Lawinen-Terrain-Karte für Skitouren in der Schweiz vor. Hier werden farblich die gefährdeten Hangbereiche dargestellt. Die anderen Präsentationen beschäftigten sich mit dem Entscheidungsprozess an sich. www.whiterisk.ch

Zum Abschluss zeigte Andrea Mannberg, dass ca. ein Drittel der Personen, die im Gelände unterwegs sind, sich signifikant von anderen Personen beeinflussen lassen. Das kann sein, dass Routen gewählt werden, die man sonst nicht gefahren wäre, oder dass man Personen in eine Route folgt, die man/frau sonst nicht gewählt hätte.