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von Christoph Groth

Neulich auf dem Grenobler Bergfilmfest sah ich am Stand der „Société Dauphinoise de Secours en Montagne” ein paar Bergretter um einen seltsamen kompakten Alu-Schneeschuh herumstehen. Mittlerweile möchte ich diese Schneeschuhe bei Zustiegen zu winterlichen Klettereien nicht mehr missen.

Auf dem Foto, das ich auf dem Filmfest aufgenommen hatte, konnte ich den Namen erkennen: Die Teile heißen Snow Plak und sind kompakte Schneeschuhe, welche zwischen Steigeisen und Bergschuhe geschnallt
werden. Die Vorteile: geringes Gewicht (720 g) und Zeitersparnis, wenn zwischen Steigeisen und Schneeschuhen gewechselt werden muss. Außerdem sind die kompakten Schneeschuhe auch für steiles und schwieriges Gelände geeignet. Dazu passt auch, dass man beim Wechsel nie ohne Zacken an den
Füßen ist, weil die Steigeisen die ganze Zeit an den Füßen verbleiben.

Christoph Groth - bergundsteigen Leser und Autor

Christoph Groth – bergundsteigen Leser und Autor

Ich fand das Konzept interessant, dachte mir aber, dass die Einheitsgröße vielleicht nicht so gut bei meiner Schuhgröße 49 passt. Also fragte ich per E-Mail nach und prompt kam die Antwort von einem Jean-Marc: Er hätte noch ein paar Exemplare einer größeren Version und ich könnte doch einfach in seiner Werkstatt (=seiner Garage) vorbeischauen. Ja, Samstagmittag wäre OK, aber nicht zu spät, weil man mit den Kindern eine Skitour machen wolle. Ich bin dann also hingeradelt, hab’s kurz ausprobiert, und habe ein Paar der großen Version mitgenommen.

Laut Anleitung lassen sich die Snow Plaks auch an Steigeisen mit Bügelbindung vorne anbringen, aber beim Ausprobieren mit meinen Petzl Lynx fand ich das nicht völlig überzeugend. Man muss nämlich die Eisen hinten lösen, um die Lasche der Snow Plaks vorne zwischen Schuhsohle und Eisen schieben zu können. Optimal justiert werden kann die Spannung der Steigeisen auch nur entweder für Verwendung mit oder ohne Snow Plak. (Und draußen mit klammen Fingern nachjustieren mag ich nicht.) Deswegen habe ich die Lynx auf Korbbindung vorne umgebaut und da klappt das Anlegen und Abnehmen der Schneeschuhe einwandfrei und sehr schnell. Ein Tipp: Auch bei Korbbindung vorne hilft es beim Anlegen der Snow Plaks die oder den Vorderzacken der Steigeisen etwas nach unten zu drücken, um einen Spalt zu erhalten, in den die Lasche der Schneeschuhe hineingleiten kann.

Mittlerweile habe ich die Snow Plaks bei zwei Touren ausprobiert. Einmal hatten wir einen langen Zustieg zu einem Eis-Couloir, bei dem eine Steilstufe in kombinierter Kletterei überwunden werden muss. Davor und danach stapften wir durch tiefen Schnee, der teilweise pulvrig, teilweise verkrustet war. Ein anderes Mal kletterten wir eine Rinne mit Zustieg über einen verschneiten Wald und später über einen 40 Grad steilen Hang mit nicht-tragender Kruste.

Die neuen Schneeschuhe haben sich sehr gut bewährt. Zwar sind klassische Schneeschuhe zunächst einmal schneller angelegt als Steigeisen + Snow Plaks, aber sobald das Gelände schwieriger wird, sind die Snow Plaks ganz schnell runter, und sofort kann in Steigeisen weitergeklettert werden. Meine Seilpartner mit gewöhnlichen Schneeschuhen waren da deutlich länger beschäftigt. Erst recht ist es für sie umständlich wieder von Steigeisen auf Schneeschuhe umzubauen. Die Snow Plaks dagegen sind im Handumdrehen dazugeschnallt, und weiter geht’s. Sie sind kleiner als gewöhnliche Schneeschuhe und tragen im Pulverschnee etwas weniger gut, aber durch ihre Form funktionieren sie auch im steilen Gelände einwandfrei. Dank ihrer Kompaktheit passen sie in einen 30-Liter-Rucksack hinein, sodass sie in der Route nicht stören, wenn man eine Überschreitung macht.

Zusammengefasst kommen mir etliche Touren in den Sinn, auch im Sommer, wo solche leichten, robusten und technischen Schneeschuhe sehr nützlich gewesen wären.

Mittlerweile gibt es auch eine zweite Version, die Snow Plak TREK, bei welchen Steigeisen fest mit den Snow Plaks verbunden sind. Diese Variante ist interessant für Leute, die einfach nur technische Schneeschuhe brauchen und nicht klettern wollen, also zum Beispiel Führer von Lawinenhunden. Das war auch die Version, welche ich auf dem Stand der Bergrettung gesehen hatte.

Der Erfinder von Snowplak

Jean-Marc Frénée – der Erfinder von Snowplak

Die Snow Plaks werden in Frankreich von einigen Bergsportläden geführt, können im Ausland aber am besten direkt vom Hersteller bezogen werden: Snowplak.

Die Schneeschuhe kosten in beiden Versionen
aktuell 170 € (als TREK natürlich ohne die Steigeisen). Es gibt einen Rabatt von 20% für Alpenvereinsmitglieder und von 30% für Leute, die beruflich am Berg unterwegs sind. (Am liebsten wäre Jean-Marc, wenn sich mehrere Besteller aus einem Klub zusammentun. Als Anhaltspunkt für den Versand von drei Paar nennt er 12 €.) (Ich bin übrigens in keinster Weise am Projekt oder Umsatz beteiligt, finde aber Idee und Umsetzung so sympathisch, dass ich privat darüber berichten wollte.)