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Die DAV-Sicherheitsforschung hat nach dem Bruch der Kette einer Ausgleichsverankerung eine Sicherheitswarnung ausgegeben. Da es bereits 2015 Probleme mit den Ketten desselben Herstellers gegeben hat, haben wir für euch alle relevanten Infos gesammelt.

  1. Interview mit Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung (SiFO) zum aktuellen Problem mit den Ketten der Ausgleichsverankerung vom spanischen Hersteller FIXE.
  2. Links zu den Warnungen aus den Jahren 2018 und 2015 der DAV-Sicherheitsforschung sowie Statement aus dem Jahr 2015 von Rock S.L. auf bergsteigen.com
  3. Inhalt des SiFo-Updates vom 31.10.2018
  4. Inhalt der SiFo-Warnung vom 29.10.2018
  5. Beitrag aus bergundsteigen #92 (Herbst 2015)

1. Interview mit Christoph Hummel

Christoph Hummel, DAV Sicherheitsforschung I bergundsteigen.blog

Christoph Hummel, DAV-Sicherheitsforschung. Foto: Daniel Bartsch

Christoph, bereits 2015 hat die DAV-Sicherheitsforschung – nachdem in mehreren Kletteranlagen die obersten Kettenglieder von Umlenkungen gebrochen sind – empfohlen, diese Standplätze des Herstellers FIXE zu überprüfen und gegebenenfalls auszutauschen bzw. dieses Kettenglied mit einem Rapidglied zu hintersichern. Nun ist bei einem solchen Standplatztyp wiederum ein Kettenglied gebrochen, aber diesmal nicht nur das oberste (handverschweißte), sondern auch das zweite. Was ist da los?

Was genau die Ursache für die Rissbildungen und das anschließende Brechen der Kettenglieder ist, ist nicht vollständig geklärt. 2015 lieferte FIXE eine plausible Erklärung für die Rissbildungen an einigen ihrer Ketten: Spannungsrisskorrosion war die Begründung – das war das Ergebnis einer von FIXE beauftragten Untersuchung in einem spanischen Labor. Und auch jetzt begründet FIXE den Bruch der Kettenglieder mit Spannungsrisskorrosion.

Spannungsrisskorrosion findet nur statt, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: der Werkstoff ist anfällig für Spannungsrisskorrosion, am Bauteil treten Zugspannungen auf und die Umgebung ist korrosionsförderlich. Eine für Korrosion förderliche Umgebung kann vor allem im Außenbereich nie hundertprozentig ausgeschlossen werden. Meeresnähe, Industriegebiete etc. können durch entsprechende Verunreinigungen in der Luft dafür ausreichen. Lastwechsel finden an den Umlenkern natürlich bei jedem Ablassvorgang statt. Allerdings könnte es auch sein, dass diese Spannungen schon beim Schweißen auftreten – hier wissen wir nicht, was ursächlich für die Rissbildung ist. Auffällig ist, dass die Risse immer an der Schweißnaht oder gegenüber der Schweißnaht auftreten. Und zu guter Letzt das verwendete Material: Welcher Stahl wird verwendet? Gibt es hier Qualitätsschwankungen? Wird das Material beim händischen Schweißen zu heiß oder kühlt es nach dem Schweißen zu langsam ab? Ebendies war 2015 die offizielle Erklärung, und deshalb wurde damals empfohlen, dieses oberste Kettenglied zu hintersichern. Damit schien das Problem erstmal gelöst.

Da nun allerdings eins der maschinell geschweißten Kettenglieder gebrochen ist, tappen wir wieder im Dunkeln. FIXE hat mittlerweile mitgeteilt, dass auf den potenziell gefährlichen Ketten das Wort „INOX“ eingeprägt ist. Neuere Umlenkketten werden laut Hersteller aus Duplex-Stahl hergestellt, mit welchem uns bisher keine Probleme bekannt wurden.

Wir empfehlen deshalb, alle FIXE-Umlenker, auf denen das Wort „INOX“ eingeprägt ist, auszutauschen – und davon gibt es leider sehr viele!  In nicht-korrosionsfreundlichen Umgebungen (z.B. Indoor, wenn kein Schwimmbad oder Industrie etc. in der Nähe ist) besteht laut FIXE kein Risiko.

Welcher Standplatztyp ist von diesem Problem betroffen?

Bisher handelte es sich bei den uns gemeldeten Produkten mit Rissen und bei den beiden gebrochenen Ketten um Ausgleichsverankerungen. Das ist ein Indiz dafür, dass sich die Risse erst durch die Lastwechsel bilden, nicht bereits während des Schweißens. Bei Ausgleichsverankerungen führt jeder Ablassvorgang zu Spannungswechseln in allen Bestandteilen der Umlenkung.

Bei den Umlenkern der Bauart Reihenschaltung erfährt immer nur ein Strang die Lastwechsel. Wenn die Risse – wie vermutet – durch die Lastwechsel beim Ablassen entstehen, dann besteht hier keine Gefahr, weil die zweite Kette dann redundant greift.

Wie hat der Hersteller 2015 reagiert und wie im aktuellen Fall?

2015 warnte FIXE vor dem Problem der Spannungsrisskorrosion an den obersten Kettengliedern und empfahl die Hintersicherung mit einem Schraubglied. Im aktuellen Fall teilte uns der Hersteller leider erst nach Veröffentlichung unseres ersten Warnhinweises mit, dass betroffene Produkte anhand des eingeprägten „INOX“ identifiziert werden können. FIXE wird in den nächsten Tagen eine Stellungnahme auf seiner Homepage veröffentlichen. Diese Stellungnahme bereiten sie momentan in Zusammenarbeit mit uns vor. Wir werden gesicherte neue Erkenntnisse weitergeben, sobald es sie gibt.

Sind Kettenglieder prinzipiell ein Problem bzw. sind solche Brüche auch von Produkten anderer Hersteller bekannt?

Mir ist kein ähnlicher Fall mit einem Produkt eines anderen Herstellers oder mit einem FIXE-Produkt aus Duplex-Stahl (Markenname „PLX“) bekannt.

Welche Normen müssen Ketten bzw. Kettenglieder im Bergsport erfüllen?

In den letzten Jahren wurde die Norm für Bohrhaken überarbeitet. Sie wird im Frühjahr 2019 veröffentlicht und ist ab dann gültig. Künftig sind darin auch Mindestanforderungen an „Standplatzverankerungen“ – so werden diese Stände im Normtext bezeichnet – enthalten.

Bisher gab es keine Normanforderungen an diese Stände. Ich gehe davon aus, dass die meisten Hersteller darauf achteten, die Mindestanforderung von 22 kN an Schlingen einzuhalten. In der neuen Norm werden 25 kN gefordert.

Weil es sich immer um Ausgleichsstände am Top von Hallenrouten gehandelt hat, blieben bisher alle Brüche ohne Folgen. Ist es vorstellbar, dass – ob in der Halle oder am Fels – ein solcher Bruch eines Kettengliedes u.U. zu einem Absturz führt?

Leider ja. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht sehr groß, aber es ist doch denkbar und wir können nicht einfach auf den ersten Unfall warten – diese Stände wurden zigtausendfach installiert, irgendwann wird es sonst so weit kommen. In allen Fällen, in denen wir von Rissen an Kettengliedern bzw. von Brüchen erfahren haben, sind in direkter Nähe (also z.B. in der Nachbarroute) auch Risse in Kettengliedern entdeckt worden.

Bisher handelte es sich immer um Ausgleichsverankerungen, bei denen eben jeder Ablassvorgang zu Spannungswechseln in allen Bestandteilen der Umlenkung führt. Wenn sich also Risse in Kettengliedern an beiden Kettensträngen einer solchen Ausgleichsverankerung bilden, dann kann – wenn ein Glied bricht – der zusätzliche Lasteintrag auf die zweite Kette ausreichen und zum Totalversagen der Umlenkung führen. Wenn der Kletterer dann keine Exen unterhalb eingehängt hat – zum Beispiel beim Topropen oder beim Abbauen der Route, dann kann dies zum Bodensturz führen.

Was ist deine Empfehlung an Hallenbetreiber bzw. Verantwortliche für Routen, die mit solchen Umlenkern ausgestattet sind?

Im Outdoor-Bereich sehe ich eigentlich keinen anderen Weg, als konsequent alle FIXE-Ketten mit der „INOX“-Prägung auszutauschen. Und auch im Indoor-Bereich sollte darauf geachtet werden, dass diese Ketten nur verwendet werden, wenn sicher keine korrosionsfreundliche Umgebung gegeben ist. In der Nähe von Industriegebieten, Schwimmbädern, vielbefahrenen Straßen etc. würde ich austauschen.

Und wer sich gegen ein Austauschen entscheidet (zum Beispiel in Kletterhallen), der sollte mit jeder Inspektion wieder überprüfen, dass keine Anzeichen von Korrosion zu erkennen sind und sich keine Risse bilden. Wie auf den Bildern zu erkennen ist, können diese Risse sehr dünn und mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen sein!

Und was sollen wir Kletterer tun, wenn wir das nächste Mal an einer Kette Stand machen oder abseilen?

Wenn es sich um eine FIXE-Kette mit „INOX“-Prägung handelt, dann werde ich persönlich in Zukunft immer kurz prüfen, ob die Kettenglieder auch keine Risse aufweisen. Dabei muss man genau hinsehen – diese Risse können wie gesagt sehr dünn sein (siehe Abb.). Falls ich einen Riss finde oder mir nicht sicher bin, dann werde ich in Zukunft ein Seilstück zwischen Bohrhakenlasche und Ring fädeln oder mit einer Expressschlinge hintersichern. Und dann werde ich sobald wie möglich den Erstbegeher oder einen anderen lokal Zuständigen etc. ausfindig machen und darauf hinweisen, dass die Kette ausgetauscht werden sollte – auch wenn kein Riss sichtbar ist.

Da kommt eine Herausforderung auf die Kletterszene zu – insbesondere auf all diejenigen, die einbohren und sanieren …

2. Links

Das Update der DAV-Sicherheitsforschung vom 31.10.2018.

Die Warnung der DAV-Sicherheitsforschung vom 29.10.2018.

Die Warnung der DAV-Sicherheitsforschung vom 8.12.205.

Statement von tech ROCK S.L. zu den FIXE-Edelstahlumlenkern auf www.bergsteigen.com vom 17.9.2015.

3. Update zum Sicherheitsproblem bei Umlenkketten von FIXE vom 31.10.2018

Neue Information vom Hersteller FIXE: Die problematischen Ketten sind doch identifizierbar!

Welche Umlenkketten sind betroffen? FIXE konnte uns erfreulicherweise nun mitteilen, wie die betroffenen Kettenglieder identifiziert werden können: sie sind alle mit der Markierung „INOX“ versehen. Diese Markierung befindet sich bei allen aus A2-Stahl produzierten Produkten auf der Hakenlasche. Nur Produkte mit dieser Kennzeichnung sind von dem Warnhinweis betroffen und sollten ausgetauscht werden.

FIXE kündigt ein baldiges Statement dazu auf seiner Homepage an!

Empfohlene Maßnahmen

Aufgrund der beschriebenen Problematik empfiehlt die DAV-Sicherheitsforschung, alle bisher verbauten FIXE-Ketten mit „INOX“-Kennzeichnung unverzüglich auszutauschen. Oberste Priorität gilt dabei den Umlenkeinrichtungen der Bauart Ausgleichsverankerung.

Umlenkketten der Firma FIXE mit der Kennzeichnung „PLX“ können nach Auskunft des Herstellers weiter verwendet werden! FIXE führt das Problem weiterhin auf Spannungsrisskorrosion zurück und sagt, dass das Problem in Kletterhallen, die nicht in unmittelbarer Nähe von Einflussquellen wie Schwimmbädern, Industrie, vielbefahrenen Verkehrswegen, Landwirtschaft etc. liegen, nicht besteht.

Behelfsmäßig können betroffene Ketten vorübergehend mit einer Expressschlinge, die – parallel zu einem Kettenstrang – im Bohrhaken und im Ring eingehängt ist, hintersichert werden (siehe unten Foto 2).

Weitere Hintergrundinformationen

Bereits im Jahr 2015 warnte die UIAA davor, dass Spannungsrisskorrosion ein Problem für Bergsportausrüstung wie Umlenkketten oder Bohrhaken sein kann. Der bis dahin viel verwendete A2-Stahl wurde daraufhin nur noch für Indoor-Anwendungen empfohlen. FIXE empfahl bereits damals wie auch die UIAA, alle A2-Umlenkungen im Outdoor-Bereich gegen geeigneteres Material zu ersetzen.

In den Normengremien von UIAA und CEN wurde nach 2015 die Bohrhakennorm überarbeitet. Sie wird im Frühjahr 2019 erscheinen. In ihr sind erstmals auch Mindestanforderungen an sogenannte „Standplatzverankerungen“ (wie eben die betroffenen Umlenker) festgelegt.

4. Warnung der DAV-Sicherheitsforschung vom 29.10.2018

Erneutes Sicherheitsproblem bei Umlenkketten von FIXE

Zum wiederholten Mal reißt eine Umlenkkette von FIXE. Die DAV-Sicherheitsforschung empfiehlt, bisher installierte Ketten des Herstellers auszutauschen.

Bereits im Sommer 2015 wurde der DAV-Sicherheitsforschung ein gerissenes FIXE-Kettenglied einer FIXE-Ausgleichsverankerung zugesandt. Der Hersteller überprüfte damals das Problem und veröffentlichte die Empfehlung, dass das Problem kostengünstig und ohne großen Zeitaufwand gelöst werden könne, indem das oberste Kettenglied mit einem Maillon Rapide hintersichert wird. Begründet wurden die gefundenen Rissbildungen bei Ketten des Herstellers mit dem Phänomen der Spannungsrisskorrosion. Um mit der Hakenlasche verbunden werden zu können, müsse laut FIXE das oberste Kettenglied aufgetrennt und händisch wieder verschweißt werden. Diese handgefertigte Schweißnaht sei anfällig gegenüber Spannungsrisskorrosion. Wir informierten darüber auf der Homepage des DAV.

Aktueller Schadensfall

Nun liegt der DAV-Sicherheitsforschung eine weitere gerissene Kette der Fima FIXE vor, bei der neben dem ersten, handgeschweißten, auch das zweite, maschinell geschweißte Kettenglied gebrochen ist (Foto 1). Der Hersteller bestätigte, dass es sich dabei offensichtlich um „bad material choice“ handelt.

Die oberen Kettenglieder dieser FIXE-Ausgleichsverankerung waren – wie vom Hersteller empfohlen – jeweils mit Hilfe eines Maillon Rapide hintersichert worden. Da aber auch das zweite Kettenglied brach, hing die Umlenkung nur noch auf einer Seite in der Wand. Zwei der drei Bruchstücke konnten mit einem Metalldetektor gefunden werden.

Die FIXE-Ausgleichsverankerung, bei der zwei Kettenglieder gebrochen sind. Foto: DAV Sicherheitsforschung

Foto 1: Die FIXE-Ausgleichsverankerung, bei der zwei Kettenglieder gebrochen sind. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

Schadensausmaß

Da der Hersteller bisher nicht mitteilen konnte, wie potenziell gefährliche Ketten identifiziert werden können bzw. welche Produktions-Chargen von dem Problem nicht betroffen sind, muss im Moment davon ausgegangen werden, dass alle bisher installierten Ketten von FIXE als potenziell gefährlich einzustufen sind.

Empfohlene Maßnahmen

Aufgrund der beschriebenen Problematik empfiehlt die DAV-Sicherheitsforschung, alle bisher verbauten FIXE-Ketten unverzüglich auszutauschen. Oberste Priorität gilt dabei den Umlenkeinrichtungen der Bauart Ausgleichsverankerung.

Aufgrund der Ergebnisse firmeninterner Tests produziert FIXE mittlerweile seine Ketten aus einem anderen Material. Neue Ketten von FIXE sind daher auch zum Austausch geeignet.

Behelfsmäßig können betroffene Ketten vorübergehend mit einer Expressschlinge, die – parallel zu einem Kettenstrang – im Bohrhaken und im Ring eingehängt ist, hintersichert werden (Foto 2).

Beispiel für eine vorübergehende behelfsmäßige Hintersicherung. Foto: DAV Sicherheitsforschung

Foto 2: Beispiel für eine vorübergehende behelfsmäßige Hintersicherung. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

5. Meldung von bergundsteigen #92 (Herbst 2015)

Sicherheitsproblem bei Umlenkketten von FIXE

Im Sommer dieses Jahres ist in einer DAV-Kletterhalle bei einem Ablassvorgang an der Außenwand ein Kettenglied einer FIXE-Umlenkeinrichtung aus Edelstahl gebrochen. Da es sich bei der Umlenkung um eine Ausgleichsverankerung (Abb. 1) handelte, blieb der Bruch glücklicherweise ohne Folgen. Bei der anschließenden Überprüfung aller Umlenkketten an der Außenwand dieser Kletterhalle sind weitere Kettenglieder mit Riss entdeckt worden. Betroffen war jeweils das letzte Kettenglied, das die Verbindung zum Bohrhaken herstellt. Die Risse traten dabei sowohl im Bereich der Schweißnaht als auch am Schenkel gegenüber der Schweißnaht auf (Abb. 2, 3). Die betroffenen Umlenkketten waren erst seit zwei Jahren im Einsatz. Nachdem am 28. Juli vom DAV und am 29. Juli von FIXE (TechRock) Sicherheitswarnungen veröffentlicht wurden, sind an zwei weiteren Außenanlagen von Kletterhallen Umlenkketten mit Rissen im Kettenglied am Bohrhaken entdeckt worden.

Ausgleichsverankerung von Fixe. Foto: DAV Sicherheitsforschung

Abb. 1: Ausgleichsverankerung von FIXE. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

Kettenglied mit mittleren Korrosionsspuren und einem deutichen Riss. Foto: DAV Sicherheitsforschung

Abb. 2: Kettenglied mit mittleren Korrosionsspuren und einem deutlichen Riss. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

Ursache

Ein von FIXE beauftragtes spanisches Labor analysierte eine der Umlenkeinrichtungen und bescheinigte als Ursache für die auftretenden Risse Spannungsrisskorrosion. Diese tritt unter drei Voraussetzungen auf: Der Werkstoff ist anfällig für Spannungsrisskorrosion, am Bauteil treten Zugspannungen auf (durch thermische Eigenspannungen im Bauteil oder externe Lasten) und die Umgebung ist korrosionsförderlich. Eine für Korrosion förderliche Umgebung ist im Außenbereich quasi immer gegeben. Die Anfälligkeit des Materials für Spannungsrisskorrosion wird nach unserem Kenntnisstand durch den manuellen Schweißvorgang des Edelstahls erzeugt. Das von Rissen betroffene Kettenglied im Bohrhaken wird vom Hersteller FIXE manuell geschweißt und weist in der metallographischen Analyse Auffälligkeiten im Gefüge auf. Im Gegensatz dazu sind die restlichen Kettenglieder unter kontrollierten Bedingungen maschinell geschweißt und weisen keine Auffälligkeiten auf. Ob dann thermische Spannungen im Bauteil oder die Lasten beim Ablassen letztlich die Spannungsrisskorrosion verursachen, ist noch nicht klar. FIXE kann das Problem bisher nicht auf eine Produktionscharge eingrenzen. Deshalb können alle Umlenkungen des Herstellers aus Edelstahl betroffen sein. Bisher wurden nur Risse bei Ketten in Ausgleichsverankerungen entdeckt, bei denen beide Kettenstränge unter Last sind. Bei Festigkeitsuntersuchungen der DAV-Sicherheitsforschung fiel eine Kette auf, an der nur ein sehr feiner Riss sichtbar war (Abb. 3), die aber nur noch 5,6 kN Bruchkraft aufwies! Eine optische Kontrolle muss daher sehr sorgfältig durchgeführt werden. 

Kettenglied mit feinem Riss gegenüber der Schweißnaht. Foto: DAV Sicherheitsforschung I bergundsteigen.blog

Abb. 3: Kettenglied mit feinem Riss gegenüber der Schweißnaht. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

Spannungsrisskorrosion kann irgendwann in der Lebensdauer eines Bauteils auftreten. Eine einmalige Kontrolle auf Risse ist daher nicht ausreichend, um das Problem auszuschließen. Zwei Fragen bleiben im Zusammenhang mit der Problematik noch offen. Erstens: Können auch Umlenkungen mit Reihenschaltung betroffen sein (Abb. 4)? Hier ist die Kette als Redundanzsystem ohne Last dahinter geschaltet. Thermische Spannungen, erzeugt durch den Schweißvorgang, müssten die Korrosion ohne zusätzlichen Lasteintrag hervorrufen. Und zweitens: Kann auch der Ring, der die beiden Ketten (Variante Ausgleichsverankerung) bzw. die Kette und den Bohrhaken (Variante Reihenschaltung) verbindet, von Spannungsrisskorrosion betroffen sein? Dieser Ring ist zwar ebenfalls manuell geschweißt, hat aber einen wesentlich größeren Querschnitt. Dadurch besteht prinzipiell ein größeres Sicherheitspolster und die Zugspannungen im Material sind geringer. Bisher wurde noch kein Ring mit Rissen entdeckt. Bei der Analyse der Umlenkungen mit rissigen Kettengliedern wiesen die Ringe weder Risse noch reduzierte Festigkeiten auf.

Umlenkeinrichtung von Fixe als Reihenschaltung. Foto: DAV Sicherheitsforschung I bergundsteigen.blog

Abb. 4: Umlenkeinrichtung von FIXE als Reihenschaltung. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

Generell ist das Problem von Spannungsrisskorrosion in der Kletterszene bereits bekannt. Bisher trat das Phänomen aber verstärkt in maritimen oder tropischen Umgebungen auf. Die UIAA Safety Commission widmet sich schon seit längerem diesem Thema. Über die Spannungsrisskorrosion hinaus bestehen die generellen Korrosionsproblematiken natürlich weiterhin.

Fazit

Die Edelstahl-Umlenkungen von FIXE mit Ausgleichsverankerung (Abb. 1) sind als heikel zu bewerten. Sie sollten auf Dauer ausgetauscht werden. Kurzfristig bzw. wenn man als Kletterer an eine solche Umlenkung kommt, können sie hintersichert werden. Hierzu kann beispielsweise eine Exe parallel zu einem Kettenstrang geschalten werden (Abb. 5). 

Hintersicherung mit Exe als Übergangslösung. Foto: DAV Sicherheitsforschung I bergundsteigen.blog

Abb. 5: Hintersicherung mit Exe als Übergangslösung. Foto: DAV-Sicherheitsforschung

FIXE-Umlenkungen in Reihenschaltungsform aus Edelstahl sollten von Betreibern künstlicher Kletteranlagen und Verantwortlichen von Klettergärten auf starke Korrosionsspuren und Risse hin kontrolliert werden. Bei dieser Kontrolle liegt das Hauptaugenmerk auf dem letzten Glied im Bohrhaken sowie auf dem Ring am zweiten Bohrhaken. Die Kontrolle muss sorgfältig erfolgen, da die Risse sehr fein sein können (Abb. 3).