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Was steht bei jedem Anfängerkurs an erster Stelle? Richtig, die Knotenkunde. Obwohl das Verknüpfen von Seilen und Schnüren so grundlegend ist, wie sonst nichts im Bergsport, verwundert es, dass 87  Prozent der Knoten, die im Gebirge so gesehen werden können, falsch oder zumindest nicht ganz richtig gemacht sind.
Solche fehlerhaft gemachten Knoten sind regelmäßig die Ursache für z.T. schwere Unfälle. Deshalb ist es mehr als gerechtfertigt, sich in dieser Rubrik „leicht gemacht“ noch einmal kurz und klar mit dem Thema zu befassen.

Konkret interessieren uns hier aber weniger die Fälle, wo Knoten prinzipiell falsch geknüpft, falsch eingesetzt oder nur halbfertig gefädelt wurden. Vielmehr geht es darum einmal darzulegen, was einen sauber geschürzten Knoten ausmacht. Jedenfalls steht fest, dass richtig ausgeführte Knoten ein augenscheinlicher Beleg für eine kompetente, sorgfältig arbeitende und gewissenhafte Bergsteigerin sind; und wer möchte das nicht sein?

1. Richtiger Knoten für die entsprechende Anwendung

Jeder Knoten hat seine Vor- und Nachteile und dementsprechend seinen Anwendungsbereich. Im Bergsport begnügen wir uns ohnehin mit sehr wenigen Knoten und so sollte es jedem Anwender gelingen, den Richtigen zu erwischen. Zum Beispiel empfehlen wir für das Anseilen grundsätzlich den Achterknoten. Natürlich könnte man sich auch mit einem Sackstich anseilen, wofür es sogar ganz gute Argumente geben würde, aber insgesamt gesehen überwiegen dessen Nachteile und deshalb sollte – vor allem im Ausbildungszusammenhang – bei der Empfehlung geblieben werden.

Übrigens: Wenn man den richtigen Knoten verwendet, muss er auch nicht mit einem weiteren Knoten abgesichert werden, damit er nicht aufgeht. Sollte dies tatsächlich notwendig sein, dann wurde ganz einfach der falsche Knoten gewählt!

2. Nur jene Knoten verwenden, die ich auch kenne

Leider passiert es immer wieder, dass Menschen versuchen, einen Knoten einzusetzen, den sie gar nicht genau kennen, von dem sie nicht wirklich wissen, wie er geht. Nur weil ein Knopf so ähnlich aussieht wie ein gewünschter Knoten, heißt das nicht, dass er auch so funktioniert. Insbesondere die verschiedenen Klemmknoten haben hier großes Potenzial, vermischt und verwechselt zu werden – was schließlich zu Fehlfunktionen führt.

3. Knoten sauber schürzen

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Knoten nicht verdreht sein dürfen. Nein – kein bisschen verdreht!

Dies betrifft in erster Linie den Achterknoten beim Anseilen: Alle Stränge müssen parallel laufen! 

Verdrehte Knoten halten zwar nicht zwangsläufig viel weniger, doch sie ziehen sich bei Belastung oft dermaßen ungünstig zusammen, dass sie kaum mehr gelöst werden können. Auch lassen sich verdrehte Knoten beim Partnercheck nicht so leicht kontrollieren, da ihr Knotenbild nicht dem „gewohnten“ Anblick entspricht.

Außerdem: Sauber gemachte Knoten schauen einfach schöner aus und sind Zeichen einer professionellen Arbeitsweise. Oder hat jemand schon einmal einen kompetenten Bergführer mit verwurschtelten Knoten gesehen?

4. Knoten gut festziehen

Damit sich der Knoten nicht von selbst bzw. durch die normale Bewegung lockert und löst, ist es enorm wichtig, ihn ordentlich festzuziehen. Locker geknüpfte Knoten sind eine echte Gefahrenquelle und dürfen nicht akzeptiert werden. 

Damit dieses „Knotenfestziehen“ auch weniger kräftigen Personen gelingt, müssen die Stränge einzeln angezogen werden. Und solcher Stränge gibt es vier!

5. Passende Länge der Seilenden

Manchen BergsteigerInnen scheinen sehr kurze Seilenden einfach zu gefallen; was speziell bei den Kurzprusikschlingen oft auf die Spitze getrieben wird. Bei starken Belastungen ziehen sich die Knoten aber nicht nur fest, sondern wandern immer auch ein Stück nach außen. Ein ausreichend langes Seilende erfüllt daher eine wichtige Funktion. Insbesondere beim Sackstich ist das unbedingt zu beachten.

Ein anderes Problem sind zu lange Seilenden, die nicht nur hässlich aussehen und einem im Weg sind, sie können z.B. beim Abseilen dazu verleiten das falsche (aus dem Seilverbindungsknoten herausstehende) Seil ins Abseilgerät einzulegen.

Als Anhaltspunkt für die Länge der Seilenden gilt: ca. 10-facher Seildurchmesser. D.h. beim Anseilen sollte das Seilende ca. 10 cm (oder eine Handbreite) lang sein. Ausnahme ist der Sackstich, wenn er als Verbindungsknoten beim Abseilen verwendet wird: hier sollten die Seilenden echte 30 bis 40 cm überstehen.

Sauber gemachte Knoten sind wohl die beste Visitenkarte eines Bergsteigers und nicht umsonst kennt jeder Alpinist und jede Alpinistin den Spruch: „Zeig mir Deinen Knoten und ich sage Dir, wer Du bist.“ (Aleister Crowley zu Guy Knowles, 1902 am K2).

Falscher & richtiger Achterknoten, © argonaut.pro I bergundsteigen.blog

Falsch und richtig geknotete Achterschlinge: Der erste Achter ist verdreht (Seilstränge kreuzen sich), nicht ordentlich festgezogen, hat ein zu großes Auge und ein zu kurzes Seilende – er ist falsch ausgeführt. Daneben eine richtig geknotete Achterschlinge von drei Seiten, wie’s sein sollte: kleines Auge, nicht verdreht (keine kreuzenden Seilstränge), fest zusammengezogen und korrekt langes Seilende. (c) argonaut.pro

 

Text & Fotos: Walter Würtl & Peter Plattner